Fin de Siècle: Wer hat dieses schön schöne Liedlein erdacht
Wiener Soirée am 24.10.2026 — Erica Alberini, Anna-Maria Fischer und Mascha Pysmenna (mdw Wien, Klasse Tanya Aspelmeier). Am Klavier: Yuumi Yamaguchi
Drei junge Sängerinnen, begleitet von Yuumi Yamaguchi, Korrepetitorin und Coach an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, sangen am 24. Oktober im Rahmen der Altacher Soireen Lieder der Jahrhundertwende, auch Kompositionen von Frauen und andere aus dem osteuropäischen Umkreis der alten Residenzstadt Wien. Das Programm von Erica Alberini, Anna-Maria Fischer und Mascha Pysmenna umfasste 21 Nummern — solistische Hochspannung jenseits des Belcanto von Schubert bis zu ukrainischer Musik der Gegenwart.
Im Zentrum der Fin-de-siècle-Soirée standen Vertonungen aus Des Knaben Wunderhorn von Gustav und Gesänge von Alma Mahler. Der Schülerin Alexander Zemlinskys hat ihr Mann bekanntlich den Verzicht auf das Komponieren abverlangt. Sie setzt sich etwa im Lied Die Stille Stadt mit der urbanen Gegenwart auseinander. Anders Gustav Mahler, Sohn mährischer Juden; sein Leben lang griff er immer wieder zur Sammlung von Volksliedern der Romantiker und verlieh der Macht des Eros schnörkellosen Ausdruck, der Verheißung, dem Wunschdenken wie den Vertröstungen und dem Leid, das aus ihnen spricht.
Den Abend eröffnete Anna Maria Fischer mit Wer hat dies Liedlein erdacht, ursprünglich für Orchesterbegleitung komponiert. Nach Liedern zum Thema Nummer Eins von Dora Pejačević, Schönberg und Zemlinsky beschloss sie ihn auch mit Mahlers Rheinlegendchen — keine einfache Aufgabe für die Mezzosopranistin im überhohen Kirchenraum. Die Soprani hatten es leichter: Die Italienerin Erica Alberini sang Liebeslieder von Hugo Wolf, Ján Bella, Johanna Müller-Hermann — einer Kollegin Alma Mahlers —, Schubert und Richard Strauss. Ebenso ausdrucksvoll und frei von Allüren Mascha Pysmenna, die für Lena Maria Garber, erkrankte Kollegin und Schülerin Tanya Aspelmeiers, einsprang und zusätzlich zwei Romanzen ukrainischer Komponisten vortrug, Zoriana nich («Sternklare Nacht») von Kos-Anatolskyi und ein zauberhaftes Lied von Lesja Dychko: «Wenn du willst, verzaubere ich den Wald».
Der Ruf Wiens als Weltstadt der Musik scheint ungebrochen. Zu Recht, wie die Altacher Performance dreier junger Sängerinnen aus aller Welt zeigt, die ein zusätzliches Gesangsstudium in Wien absolvieren. Ein Liederabend mit Musik des Fin de Siècle, virtuos und geschichtsbewusst zugleich. Die Zugabe für das bewegte Publikum war — nach all den Soli — ein Terzett von Schubert, am Klavier virtuos unauffällig begleitet von der Lehrerin an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst.
-
Erica Alberini
Erica Alberini ist eine italienische Sopranistin. Ihr Debüt gab sie 2019 beim Monteverdi Festival im Rahmen der Residenza Cremona Barocca für junge Talente mit Accademia Bizantina. In der Spielzeit 2025/2026 übernimmt sie Rollen aus wiederentdeckten Werken, darunter Venere in La Giunone placata von J. J. Fux beim Fux Fest in Wien, Dina in Salieris La bella selvaggia am Teatro Calderón in Valladolid sowie Ballerina in Gassmanns L’Opera Seria am Theater an der Wien. Zu ihren Engagements im Jahr 2024 zählten die Titelrolle in Il trionfo della divina Giustizia von Porpora beim Ravenna Festival sowie Clori in Händels Clori, Tirsi e Fileno beim Musikfest Bremen. 2022 war sie Finalistin beim Renata-Tebaldi-Wettbewerb für Alte Musik. Erica Alberini studierte Barockgesang bei Roberta Invernizzi und Monica Piccinini, schloss ihr Masterstudium mit Auszeichnung ab und absolvierte ein Certificate of Performance an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Derzeit studiert sie Gesangspädagogik (IGP) bei Tanya Aspelmeier, an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
-
Anna-Maria Fischer
Anna-Maria Fischer ist Mezzosopranistin und wurde in der Wachau geboren. Seit zehn Jahren lebt und arbeitet sie in Oberösterreich. Nach ihrem abgeschlossenen Studium der Germanistik studierte sie Konzertfach Gesang sowie Gesangspädagogik an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz. Seit 2023 vertieft sie ihre künstlerisch-pädagogische Ausbildung im Masterstudium Gesangspädagogik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) bei Tanya Aspelmeier. Im März 2026 schloss sie zudem den Masterstudiengang Historische Aufführungspraxis an der mdw bei Kammersänger Michael Schade erfolgreich ab. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer künstlerischen Tätigkeit liegt in der Erarbeitung und Interpretation von frühromantischem bis zeitgenössischem Liedrepertoire. Als Liedsängerin gestaltete sie zahlreiche Liederabende, unter anderem im Brucknerhaus Linz, und debütierte 2025 im Musikverein Wien unter der Leitung von Stefan Gottfried. Seit 2021 ist Anna-Maria Fischer als Gesangspädagogin im Oberösterreichischen Landesmusikschulwerk tätig. Darüber hinaus ist sie regelmäßig als Solistin bei den Landeskonzerten Oberösterreich zu hören.
-
Mascha Pysmenna
Mascha Pysmenna wuchs in der Ukraine auf und erhielt ihren ersten Gesangsunterricht bei Evgenia Nikolayenko. Seit Kindheit an war sie Mitglied mehrerer Kinder- bzw. Kirchenchöre und Vokalensembles. Sie begann ihre klassische Gesangsausbildung im Rahmen des Lehrganges für die Elementare Musikpädagogik an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz bei Martin Achrainer. 2023 schloss sie ein Bachelorstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Manfred Mitterbauer und Tanya Aspelmeier ab. Solistische Auftritte bei Messen, Liederabenden, Operetten, Opern und Aufführungen geistlicher Werke führten die Sopranistin in den Musikverein Wien, Stephansdom Wien, Palais Ehrbar, die St. Ulrich Kirche Wien, Dompfarre St. Pölten, in den Redoutensaal Linz, in den Stiftsgarten Wilhering, in die Pfarre Linz St. Severin. Sie ist seit Februar 2019 Gastmitglied des Vocalensembles Momentum. Unter der Leitung von Johannes Hiemetsberger trat sie bereits im Musikverein, im Konzerthaus Wien, im Theater Odeon der Stadt Wien, in der Notre-Dame Kathedrale in Lausanne und in der Pfarrkirche St. Georgen im Attergau. Musikalische Impulse erhielt sie bisher von Margreet Honig, Michael Schade, Stefan Gottfried, Johannes Weiß, Kurt Widmar, Andreas Lebeda, Andreas Thaller. In ihrem ersten Studienjahr war Mascha in der Musiktheaterproduktion Cendrillon von Jules Massenet in Penzing zu sehen. Mascha war als Comtesse in der Operette Obersteiger von Carl Zeller, als Anitra aus der Schauspielmusik Peer Gynt von Edward Grieg in den Nordwaldkammerspielen und als Second Woman in der Opernproduktion Dido and Aeneas bei den internationalen Barocktagen in der Kirche St. Ulrich zu hören. Im Sommer 2023 hat sie als Mitglied der Konzertvereinigung Staatsopernchor bei den mehreren Opernproduktionen und Konzerten unter der Leitung von Ricardo Muti bei den Salzburger Festspielen mitgewirkt. Im Zuge ihrer langjährigen Mitwirkung in Chören und Vokalensembles, wie Momentum, Vocalodie, Bunte Steine, entwickelte die Sopranistin ihren Ensemblegeist, den sie auch als Solistin einzubringen vermag.
-
Yuumi Yamaguchi
Geboren in Tokio, studierte sie zwölf Jahre an der Yamaha Musikschule (Klavier und Komposition). Weiterführende Studien machte sie in der Klavier-Solistenklasse am Tokyo College of Music bei Yuko Sekine und Atsuko Okada sowie Kammermusik bei Eisuke Tsuchida, 2010 absolvierte sie das Masterstudium.
Ab 2009 studierte sie Klavier- und Kammermusik bei Prof. Avedis Kouyoumdjian an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, und 2015 folgte Diplom mit einstimmiger Auszeichung. Seit 2015 tritt sie auch regelmäßig in Barockkonzerten mit Streichern und Sängern auf, am Klavier und Cembalo mit Ensemble Felicia, und Aufnahmen folgten. Von 2016 bis 2018 arbeitete sie als pädagogische Dozentin in Japan, Betreuung von über 150 Studenten in den Fächern Klavierspiel, Komposition und Stimmbildung in Japan women's university und Wayo women's university. 2021-2022 ist sie Korrepetitorin (Senior Lecturer) für Streichinstrumente an der Kunst Uni Graz. Yuumi Yamaguchi ist Preisträgerin mehrerer nationaler Wettbewerbe in Japan. 2010 gewann sie den ISA Förderpreis für Klavier bei der 20. Internationalen Sommerakademie PragWienBudapest und 2011 den 3. Preis beim 18. Internationalen Johannes Brahms Wettbewerb (Fach Klavier). Auch als Komponistin schrieb sie Auftragswerke für Chöre, für die sie z.B. mit Kompositionspreis von Japan women's university im Jahr 2013, und als 100-Jahre-Jubiläumswerk ausgezeichnet wurde. 2016 gab Yamaguchi ihr CD-Debüt mit u.a. Schumanns Carnaval und Eigenkomposition, Die Aufnahme wurde vom renommierten japanischen Musikmagazin Record geijutsu als Aufnahme des Monats Oktober ausgewählt. Sie trat als Solistin, Kammermusikerin in Österreich (u.a. im Musikverein, Konzerthaus, Leopold Museum und Schuberthaus), Italien, Ungarn, Deutschland, Slowenien, Tschechien, Slowakei und Japan auf und spielte auch in der Gedenkstunde für japanische Erdbebenopfer im österreichischen Parlament. Sie spielt regelmäßig Konzerte in der Peterskirche Wien im Rahmen der Zyklen Mozart Klaviersonaten, Clair de Lune und Nocturne seit 2011. Seit Wintersemester 2022/23 ist Yamaguchi am Anton Bruckner Institut als Korrepetitorin engagiert.